Silva Nigra
- Szenen aus dem Schwarzwald -
Rundel No. 2534




Thema:

Szenen aus dem Schwarzwald

Silva Nigra - ein deutsches Thema für Blasorchester

Als ich von Hans Moser, dem Dirigenten der Trachtenkapelle St. Märgen Im Schwarzwald, gefragt worden bin, ein Stück für das »25-jährige Jubiläum des Orchesters im Jahre 2007 zu schreiben, war mir zuerst nicht klar, was da an Neuem auf mich zukommen würde. Ein Stück über den Schwarzwald sollte es werden - klingt ja eigentlich nicht so schwer. Tatsächlich habe ich gemerkt, dass es für einen Komponisten durchaus einfacher sein kann, ein Stück über Afrika oder kanarische Vulkane zu komponieren.

Ich weiß nicht genau, an was es liegt: Die Blasorchesterliteratur ist voll von Stücken über amerikanische  Nationalparks  und schottische Hügel - aber selbst die deutschen Komponisten - und bisher auch ich - scheuen die deutschen Landschaften. Sicherlich, die Gefahren liegen auf der Hand: Die konzertante Blas­musik, die sich gerade mit Mühe und Not von dem Klischee der Bierzelt-Musik absetzen will, gibt sich mit internationalen Themen anscheinend moderner und damit unverdächtig.

Mit »Sliva Nigra - Szenen aus dem Schwarzwald« habe ich nun meinen Versuch zu diesem »deutschen« Thema vorgelegt. Meine Absicht war, den Spagat zu wagen - und hoffentlich zu schaffen - zwischen meiner eigenen Art, Musik für Blasorchester zu komponieren, und einer Landschaft, mit der man zuerst wohl traditionelle Musik verbindet. Herausgekommen ist dabei eine Komposition, die mit Sicherheit »traditioneller« klingt als meine bisherigen Stücke. Trotzdem habe ich versucht, Elemente der modernen, konzertanten Blasmusik und auch etwas Humor einfließen zu lassen.

Das ungefähr 11 Minuten lange Stück ist trotz seiner Länge eigentlich nur auf einem musikalischen Motiv aufgebaut. Ich nenne es das »Silva Nigra«-Hornsignal.

In mannigfachen Veränderungen durchzieht es das ganze Werk, sodass man fast von einer freien Variationsform sprechen kann. Das einfache Hornsignal wird zu Beginn nur von einem

Beckenwirbel begleitet. Aus diesem zarten Anfang wächst das ganze Stück. »Der Tag erwacht« ist der Titel für diesen ersten Abschnitt. Zu dem Hörn kommt die 1. Trompete, die das Thema kanonisch aufnimmt. Ab Takt 10 spielen die Flöten und Klarinet­ten ein folkloristisches Motiv, das einen späteren schnelleren Abschnitt im Werk vorwegnimmt.

Der zweite Abschnitt »Ein Morgen voller Nebel« lässt das »Silva Nigra«-Motiv in einem dreifachen Kanon erscheinen, umspielt von Nebelschwaden, musikalisch dargestellt durch Triller im Holz.

Ziemlich heikel dürfte der Abschnitt »Der Nebel löst sich auf« zu musizieren sein. Eine Solotrompete spielt eine variierte Version des »Silva Nigra«-Motivs. Währenddessen schieben sich Akkordblöcke den Nebelschwaden gleich durch die Partitur. Hier sollte der Dirigent auf

eine gleichmäßige Steigerung achten. Der Nebel löst sich auf und in einem strahlenden The­ma, das nicht zu langsam gespielt werden sollte, zeigt sich ein wunderbarer Blick ins Tal.

Nach dieser einleitenden Szene habe ich ein beschwingtes »Allegro giocoso« in F-Dur komponiert, das eine Wanderung durch den Schwarzwald musikalisch bebildert. Die fröhlichen Spielfiguren im Holz (Takt 67) kennen wir schon aus dem Anfang des Stücks. In dieser Musik wechseln sich volksmusikalische Elemente wie zum Beispiel in Takt 104 ff. (einem  bekannten  Volkslied nicht ganz unähnlich) und humoristische Passagen ab. Hier hat auch das »Schwarzwaldtier«, der Kuckuck, seinen nicht ganz ernst gemeinten Showauftritt.

Nach der Wanderung gibt es einen Aufenthalt im Kloster. Inspiriert wurde ich hier von der Gemeinde St. Märgen, die ein wunderschönes Kloster sein eigen nennen darf. Ab Takt 124 habe ich eine an gregorianische Mönchsgesänge angelehnte Musik für das tiefe Blech geschrieben. Hier ist der Dirigent dazu eingeladen, sehr agogisch an das Ganze heranzugehen. Die Stelle sollte so klingen, als würden sie Mönche singen.

Ab Takt 130 ist das »Silva Nigra«. Signal wieder der musikalische Mittelpunkt. Es erscheint jetzt in einem neuen harmonischen Gewand. Über diesem Teppich habe ich ein sehr expressives Klarinettensolo gelegt, das zart und gleichzeitig sehr ausdrucksvoll gespielt werden soll. Das Ganze steigert sich in ein ausdruckstarkes Orchestertutti (Takt 140 ff.). Hier sollte man es mit der Lautstärke nicht übertreiben. Ab Takt 155 habe ich mich der menschlichen Stimme bedient. Der Großteil des Orchesters singt »Silva Nigra«. Als Kommentar dazu spielen die Flöten und Oboen. Diese recht heiklen Einsätze müssen gut ausgestimmt sein.

Als Finale meiner Schwarzwaldszenen dient »Ein Besuch auf dem Rossfest«, eines traditionellen Festes in St. Märgen. Hier lag es nahe, einen Galopp zu schreiben. Das Hufgeklappere ist genau so zu hören wie der Einzug der traditionellen Blasmusik. Das fröhliche Thema zeigt zum einen seine Verwandtschaft zum »Silva Nigra«-Motiv und erinnert zum anderen sehr an die Melodie. die bei »Blick ins Tal« erklang.

Chromatische Figuren im Holz sollen etwas Jahrmarktsatmosphäre in das Finale bringen. Das Stück endet mit einem relativ plötzlichen Schluss. Dieser ist gewollt und sollte nicht durch Tempoverzögerungen  abgemildert werden.

Ich hoffe, mir ist ein Werk gelungen, das die wunderbare Atmosphäre des Schwarzwalds angemessen in Musik für Blasorchester überträgt.

Markus Götz

Die   Römer   gaben   dem Schwarzwald den Namen »Silva Nigra«. In Form eines musikalischen Bilderbogens präsentiert Markus Cötz sein neuestes Werk. Erschienen ist es im Musikverlag Rundel (Rundel No. 2534), der uns freundlicherweise die Notenbeispiele zur Verfügung gestellt hat.

Auf dem Tonträger »Imagasy« (Musikverlag Rundel / MVSR 058) des Landespolizeiorchesters   Brandenburg mit seinem Dirigenten Peter Vierneisel gibt es aktuelle Blasorchesterwerke zu hören. In allerfeinster Manier von Vierneisel und seinen Musikern vorgetragen - unter anderem eben »Silva Nigra«. An der CD gibts nichts zu meckern, denn das Programm ist überaus gefällig. Als Extra gibts ein informatives Booklet mit erläuternden Texten von Stefan Fritzen. Die Werke dieser Produktion sind im Bereich der Mittel- und Oberstufe angesiedelt und werden sicher nicht nur auf der CD, sondern auch auf dem ein oder anderen Konzertprogramm auftauchen.

weitere Infos: www.rundel.de


Quelle: Clarino.print, Ausgabe 05/08














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